Lieber Wanderer im Naturschutzgebiet Obere Dummeniederung! Eine Bitte!

Wandern im Naturschutzgebiet macht Freude. Den Vögeln lauschen, hübsche Blumen betrachten und scheues Wild beobachten. Wenn jeder sich nachhaltig verhält, können sich auch die nächsten Gäste freuen.

Lieber Wandrer! Eine Bitte!

„Lenke möglichst Deine Schritte
nicht zu weit vom Wege fort.
Du kannst hier vom Großstadthasten
nah am Wege ruhig rasten.
Aber heilig ist der Ort, wo in stillen Waldesecken
Rehe, Sauen und Hasen stecken!
Wo im März, zur Maienzeit,
Mutterwild mit Muttersorgen,
jeden Abend, jeden Morgen Friede sucht
und Schweigsamkeit!
Laß Dich nie dazu verführen,
jemals Jungwild anzurühren!
Was im Wald geboren ist,
ist dem großen Gott begegnet
und auch Du seist gottgesegnet,
wenn Du folgsam, schweigsam bist.“

(Verfasser unbekannt / wir haben leider keinen Namen gefunden)

Einen Verfasser haben wir nicht gefunden, dafür haben Varianten dieser Wandererbitte. Hauptsächlich variiert die Aufzählung der Tiere. Hier in der oberen Dummeniederung wird der Hirsch nicht aufgezählt, dafür die Sauen. Andererorts gibt es außer Rehen und Hasen noch Rebhühner oder Fasane.

Im Naturschutzgebiet ist Blumen pflücken selbstverständlich verboten. Außerdem gehören Hunde an die Leine – und dürfen nicht den Hasen hinterherjagen. Das Paddeln in Gräben oder Gewässern ist auch nicht erlaubt.

Ein Schild erinnert einen in wohl gewählten Worten daran:

Besucher, bleibe bitte auf der Schneise,
wenn Du durch unser Reich spazierengehst!
Wenn Du es kannst, verhalte Dich doch leise –
und geh vorbei, wenn junges Wild Du siehst!
Behalte Deinen Hund fest an der Leine!
Laß unsre Blumen im Bestande stehn!
Wenn jeder von Euch gerne tut das Sein,
wird mancher von Euch schöne Bilder sehn!

Auf den Wegen bleiben

Manchmal muss man fast schon einen Schritt vom Wege gehen, um die Tafeln überhaupt lesen zu können:

Wir wollten die Blumen am Entwässerungsgraben näher betrachten: Schon ein Schritt vom Wege weg hat uns nasse Schuhe eingebracht. Die Obere Dummeniederung ist wahrlich ein Feuchtgebiet.

Zum morgendlichen Fotospaß mit dem Baummonster hatten wir und vorsorglich Gummistiefel angezogen. Viele Wege führen hinein ins Naturschutzgebiet, nicht alle sind bis zum Ende auch gemäht.

Und natürlich wird nicht jeden Tag gemäht. Aber die Gräser wachsen täglich in die Höhe, manchmal auch hüfthoch. So reichen auch die Gummistiefel nicht, will man von der Hüfte abwärts trocken bleiben.

Wir sind wirklich nicht mehr als 2, 3 Schritte vom Wege zum genaueren Hinsehen abgewichen. Und das auch gerne: Hier wird es schnell sumpfig, gurgelnd und man weiß nie, wie tief der nächste Schritt hinein in den Matsch geht.

Außerdem sind manche Wiesen in Privatbesitz. Die folgende Wiese gehört einem Bauern, der die Birken am Wiesenrand regelmäßig stutzen muss, damit die Wiese genügend Sonne bekommt.

Rundweg und Alternative Wege

Der Rundweg Dummewiesen-Weg ist eine Strecke von 15 km. Der etwas halb so lange Rundweg Dumme-Niederung ist ein Teil davon. Alternative Wege oder Abkürzungen gibt es an einigen Stellen.

Weshalb die Rundwege genau diesen Verlauf nehmen, ist mir nicht immer einleuchtend. Manchmal wird man auf die Bundesstraße geführt (vermutlich wegen der Kirche). Ein anderes Mal auf einen schmalen Pfad am Ackerrand, auf dem Weg zur Kirschallee in Bergen an der Dumme im Wendland.

Blumen pflücken verboten

Blumen wachsen in vielen Farben und sind hübsch anzusehen. Manche davon sind selten und geschützt, andere weit verbreitet und bekannt. Wenn keiner sie pflückt, können sich alle daran erfreuen 🙂

Hunde an die Leine

Hunde gehören nicht nur den Wildtiere zuliebe an die Leine. Wenn Fiffi ausbüchst und in die Büsche rennt, kann er auch im Matsch der Entwässerungsgraben landen. Einen Vierbeiner im Sumpf will kein Halter wieder herausziehen müssen…

Bitte nicht Füttern!

Pferde und Schafe sind Wanderer schon gewöhnt und kommen gerne an die Zäune gelaufen. Sie hoffen auf Futter oder Streicheleinheiten.

Unkontrolliertes Füttern kann für Tiere tödlich enden!

Ausrüstung: Schuhe und Hüte

Straßennamen und Zeichen sprechen von Bergen und Steigungen: Brüchauer Berg, Sonnenberg, sogar Clenzer Schweiz und Doppelpfeile für Steigungen. Das Wendland ist jedoch ein flaches Land, für das keine Bergstiefel nötig sind.

Feste Schuhe, gerne auch wasserdicht, sollten Sie hier und da durchaus tragen, denn es geht über Waldwege, Feldwege und sandige Wege. Andere Streckenabschnitte sind auch geteert. Teile der Wanderwege sind auch Radwege.

Viele Schritte werden in der prallen Sonne gelaufen, andere im kühlen Wald. Dort fallen auch Zapfen auf die Wege. Es windet gerne und häufig: Der Wind kühlt, vertreibt Mücken und weht auch mal Kamillenduft vorbei.

Der optimale Hut sitzt somit fest auf dem Kopf und schützt vor der prallen Sonne, als auch vor herabfallenden Zapfen.

Informative Schilder lesen

Beim ersten Rundgang sollten Sie sich die Zeit nehmen, die Informationstafeln zu lesen. Diese sind nicht nur schön gemacht, sie weisen einem auch auf die vielen Sehenswürdigkeiten hin. Beispielsweise auf die Blauflügel-Prachtlibellen, die wir daraufhin sogar gesehen haben.

Landwirtschaft und Naturschutz

Das Naturschutzgebiet Obere Dumme-Niederung gäbe es nicht ohne Förderer, genießende Wanderer und Landwirte.

Hochsitz-Kultur im Naturschutzgebiet Obere Dummeniederung

In der oberen Dummeniederung werden nicht nur Insekten umsorgt, sondern auch Felder bestellt und scharf beobachtet. Wo Mensch hinschaut, sieht er Hochsitze aller Art und Ausstattung.

Drei einfache Hochsitze an einem Feldrand, gut getarnt.
Hier sitzt man bequem zu zweit mit Blick auf die 3 Hochsitze gegenüber.

Mit den Wanderungen durch die Niederung schult sich der Blick und der Naturliebhaber entdeckt mehr und mehr. Und je mehr er seinen Blick darauf ausrichtet, desto mehr werden es natürlich auch.

Sitzt man zwischen zwei Feldern, braucht es einen Hochsitz mit Rundumblick, dennoch im Rücken geschützt.

Hochsitze mit vollem Rundumblick gibt es selbstverständlich auch: Der im Mai kahle Baum steht in einem Entwässerungsgraben. Beim versuchten Gang über die Grasbüschel haben uns gurgelnde Geräusche letztlich abgehalten. Wir befinden uns wirklich in einem Feuchtgebiet.

Hier nur leicht getarnt und schwer zugänglich.

Neuere Modelle sind fahrbar und bequem ausgestattet. Wir wagten einen Blick hinein – jedoch ohne eine Duftmarke zu hinterlassen 😉

Fahrbare Hochsitze sind beliebt und machen Sinn. Bürostühle zum sich drehen machen die Wacht bequem.

Nicht immer wird durch Umlegen gekennzeichnet, was nicht (mehr) benutzt werden soll. So manch einer sieht von außen gut aus und nur der Erfahrene kann einschätzen, wie stabil alles wirklich noch ist.

Ich bin ab hier nicht weiter hochgeklettert. Muffesausen.

Tannensterben im Feuchtgebiet

Im Naturschutzgebiet rund um Bergen an der Dumme, in der oberen Dummeniederung, sieht man hier und dort vertrocknete Tannen (Juni 2020). Wir kennen dies von Autobahnfahrten, bei denen Mischwälder die Fahrbahn säumen. Zwischen grünen Bäumen stehen vertrocknete Tannen.

Dieses Phänomen gibt es auch im Feuchtgebiet der Dummeniederung. Die Tannen wachsen teilweise direkt an den Entwässerungsgräben. Die Wiesen sind so feucht, dass ein Wandererfuß einsinken würde. Wird es dennoch so trocken, dass selbst Feuchtgebiete für Tannen nicht mehr genügend Wasser haben?

Die Tannenwurzeln reichen sicherlich bis zum Wassergraben. Warum ist sie dann verstrocknet?

Die Tannen (oder auch Fichten) sind nicht alle vertrocknet. Sie sind schlicht abgestorben!
Der Borkenkäfer dürfte der Haupt-Übeltäter sein. Einige Tannensorten sind davon weniger betroffen als andere. Fichten sind sehr stark betroffen.
Zudem kommt noch, wenn die Bäume durch Trockenheit schon geschwächt sind, kann der Baum sich noch weniger gegen den Käfer zu Wehr setzten 🙁
Das Borkenkäferproblem zieht sich leider sehr akut durch ganz Deutschland.

Mit freundlicher Genehmigung von Dieter.

Aus einem Gespräch mit einer Waldbesitzerin habe ich mir zweierlei gemerkt:

  • Privatleute fördern die Ausbreitung des Borkenkäfers – da sie die Bäume nicht fällen.
  • Es gab noch nie so viel Neuwuchs im Wald, wie dieses Jahr.

Fichtensterben in Deutschland

Wir haben ein paar Wissenshäppchen aus dem Film zum Besteller von Peter Wohlleben „Das geheime Leben der Bäume“ (Dez 2019) aufgeschnappt. Diese erhellen das Sterben der Fichten hierzulande. Hier fassen wir die für uns augenscheinlichsten Punkte kurz zusammen. Und der Kommentar von Herrn Krinke erhellt diese wiederum.

Die Fichte ist eine Baumart aus dem Hohen Norden, aus der Taiga. Sie mag es kühl und feucht und ist an eine kurze Vegetationsperiode gewöhnt.

Jede Baumart hat ihre Schwächeparasiten, bei der Fichte ist das der Buchdrucker. Die Buchdrucker schicken einen Kamikaze-Käfer voraus, um eine Fichte zu testen. Dieser bohrt sich in die Fichte ein.

Normalerweise wehrt sich die Fichte dagegen, indem sie einen Harztropfen ausdrückt. In einem trockenen Sommer kann sie das aber nicht, weil sie kein Wasser dafür hat. Der Käfer merkt das und stößt sofort einen chemischen Ruf aus: Das Buffet ist eröffnet!

Die befallenen Bäume, die in Folge sowieso absterben, sollten gefällt und entrindet werden, damit der Borkenkäfer darin nicht weiter brüten und sich ausbreiten kann. Ansonsten entstehen Kahlflächen, die dann in Folge bspw. den kleinen Buchen schaden würden. Denn diese brauchen Schatten, den es auf Kahlflächen nicht mehr gibt.

Laut Wohlleben werden die meisten Nadelbäume aus Deutschland in den nächsten 20 Jahren verschwinden. Bezüglich der Fichte scheint uns das nicht wirklich schlimm zu sein. Denn bei der Baumart Fichte ist es so, dass normalerweise 57 % durch Sturm oder Käfer verenden. Das heißt es ist immer 50:50, ob eine Fichte umfällt oder vom Borkenkäfer gefressen wird. Die Fichte eignet sich also sowieso nicht für eine florierende Forstwirtschaft und sollte durch passendere Baumarten ersetzt werden.

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2 Kommentare zu „Lieber Wanderer im Naturschutzgebiet Obere Dummeniederung! Eine Bitte!“

  1. Hier hat aber jemand nicht richtig zitiert:
    1) Tanne (Abies alba, Tiefwurzler) ungleich Fichte (Picea abies, Flachwurzler): es ist sogar derzeit so, dass durch die Trockenheit, den winterlichen Regen Schnee die Fichte gerade wieder leichte Vorteile hat, bis die nächste Dürre im Sommer auch wieder den Oberboden trifft. Siehe Dürremonitor Helmholz-Gesellschaft.
    2) Auch die Fichte ist in gewissen Höhenstufen autochthon (siehe Waldgesellschaften Europas, Ellenberg) aber sicherlich nicht im Flachland.
    3) Das Fichtenholz ist eines der wichtigsten (Bau-)hölzer. 50 % des Gesamteinschlags von ca. 50-60 Mio. fm Holz.
    4) Die Trockenheit der letzten 3 Jahre (s.a. https://www.helmholtz-klima.de/aktuelles/wir-muessen-so-schnell-wie-moeglich-unsere-emissionen-senken) ist Auslöser für die Schwächung aller Baumarten, ob Fichte, Tanne, Lärche, Buche, Eiche.
    Insgesamt soll nicht der Fichte das Wort geredet werden. Aber wie oben, so einfach ist die Rechnung nicht.

    1. Hallo Carsten Krinke,
      vielen Dank für die Richtigstellungen. Meine Spekulation bei den Tannen habe ich gleich herausgenommen und Zeilen bei den Fichten angepasst. Auch eine Angabe der Jahreszahl schien mir eine wichtige Ergänzung, da es sich um Trockenheiten über mehrere Jahre handelt.
      Als Laie waren somit meine ersten Schritte rein ins Thema holprig. Und ich freue mich um so mehr, dass Sie sich die Zeit genommen haben das Thema hier aufzufächern.
      Herzliche Grüße
      Petra

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